Der Bud-Spencer Tunnel – Chance für das Citybranding von Schwäbisch Gmünd?

Ingenius Loci Markenmanagement für StädteDie 60 000 Einwohnerstadt Schwäbisch Gmünd steht Kopf. Im Mittelpunkt: ein neu gebauter Tunnel an einer Bundesstraße und die Suche nach einem geeigneten Namen. Eigentlich sollte zum Zwecke der Stärkung der lokalen Identität durch die Beteiligung der lokalen Bevölkerung ein passender Name für den Tunnel gefunden werden. Verschiedene Einsendungen der Bürgerinnen und Bürger wurden in die nähere Auswahl genommen und zur Abstimmung auf der Webpage der Stadt bereitgestellt. Darunter auch ein Name, der den lokalen Bezug zunächst gänzlich vermissen lässt: “Bud Spencer Tunnel”. Nun erhält der vermutlich als Witz gemeinte Namensvorschlag ungeahnte Unterstützung von der Facebookcommunity und lässt alle anderen Vorschläge vermutlich weit hinter sich (Der Spiegel berichtete). Plötzlich ist Schwäbisch Gmünd national in aller Munde und man schaut, leicht amüsiert über die unvorhersehbare Entwicklung, auf das beschauliche Städtchen. Zu allem Überfluss meldet sich der mittlerweile 81 jährige potentielle Tunnelnamensgeber Carlo Petersoli alias Bud Spencer auch selbst zu Wort, fühlt sich geehrt und verspricht sogar für eine eventuelle feierliche Eröffnung nach Schwäbisch Gmünd zu kommen. Die Eigendynamik der vormals simplen Namensfrage stellt die lokalen Verantwortlichen nun vor eine zweifellos schwierige Entscheidung, welche aus Stadtmarketingperspektive verschiedene Faktoren berücksichtigen muss.

Bud Spencer; Foto: Bud Spencer - Die Autobiographie, Schwarzkopf & Schwarzkopf Verlag

Bekanntheit: Hier kann man sicherlich von einem Glücksfall sprechen. Schwäbisch Gmünd erhält nationale und möglicherweise sogar internationale Aufmerksamkeit. Es bietet sich die Chance den Namen der Stadt in einem positiven Licht darzustellen und dabei große Menge an Menschen zu erreichen. Nicht nur die Entscheidung sondern vor allem das Verhalten der Stadtverantwortlichen in der Presse, die Art wie die Entscheidung formuliert wird kann nun wichtige Signale aussenden und das Image Schwäbsich Gmünds nachhaltig positiv aber auch negativ verändern.

Image: Grundsätzlich positiv ist das sehr gute Image von Bud Spencer als Schauspieler in der Welt! Gerade ist seine Biographie erschienen, in der sich der leidenschaftliche Neapolitaner als intelligenter, sympathischer, bodenständiger, sozial engagierter und humorvoller Zeitgenosse zeigt, der dem Leben stets mit einer gehörigen Prise Ironie begegnet. Hier könnte man es definitiv schlechter Treffen mit einem Namensgeber. Eine Entscheidung für Bud Spencer würde jedoch nicht nur eine Entscheidung für einen Namen bedeuten sondern auch symbolischen Wert besitzen, der für das Image Schwäbisch Gmünds nicht hoch genug eingeschätzt werden kann. Es wäre ein Zeichen für Modernität und Offenheit gegenüber neuen Medien, ein Zeichen für Flexibilität und Humor. Die Chance bietet sich nicht zuletzt deshalb, weil es sich bei besagtem Tunnel nicht um lokal etabliertes Kulturgut oder um ein wichtiges Zeichen des lokalen Selbstverständnisses handelt, welches eine eigene für das Lokalgefühl wichtige und bekannte Geschichte besitzt. Stattdessen ist der Tunnel ein junges, funktionales Ding. Die Gefahr in der Breite der Bevölkerung lokale Gefühle zu verletzen erscheint relativ gering. Dennoch sollte den Reaktionen Beachtung geschenkt werden. Nur im Falle einer breiten Empörungswelle sollte meiner Ansicht nach eine andere Namensgebung in Betracht gezogen werden. Gerade die Tatsache, dass der beliebte Namensgeber sich geehrt fühlt und sogar für eine Eröffnung persönlich Anreisen würde bietet die Möglichkeit die Geschichte des Tunnels zu prägen. Was spräche denn daneben gegen ein Bud-Spencer Museum in Schwäbisch Gmünd? Der Grundstein ist gelegt und die potentielle touristische Zielgruppe ist groß. Doch gibt es auch Risiken, die ein Citybranding mittels einer prominenten Person (Celebrity Endorsement) mit sich bringen kann. Im Falle von Fehlverhalten der entsprechenden Figur könnte ein Imageschaden für die Stadt die Folge sein, so die Theorie. Im Falle Bud Spencers ist diese Gefahr als äußerst gering einzustufen. Ein Mann, der sich in seinem ganzen Leben keine öffentliche Blöße gegeben hat, wird damit im Alter von 81 Jahren kaum anfangen.

Insgesamt zeigen sich das Internet und die sozialen Netzwerke somit auch als positiver Chancengeber für eine Stadt. Es bleibt abzuwarten ob und wie Schwäbisch Gmünd diese Chancen nutzt.

Andreas Müller

2 Antworten auf Der Bud-Spencer Tunnel – Chance für das Citybranding von Schwäbisch Gmünd?

  1. Hannes Richter sagt:

    Es gibt noch einen weiteren Vorteil, der in der öffentlichen Diskussion ein wenig übersehen wird:

    Auf der Liste der Vorschläge, über die abzustimmen ist, findet sich tatsächlich der Name “Erwin-Rommel-Tunnel”.

    Ich bin gespannt, ob sich bei Veröffentlichung der Abstimmungsergebnisse herausstellt, dass Bud Spencer die Benennung des Tunnels nach einem Weltkriegs-General und Führer-Verehrer verhindert hat. Für diesen Fall könnte man ihn gleich zusätzlich für das Bundesverdienstkreuz vorschlagen

  2. Patrick sagt:

    @ Hannes Richter: Rommel war Mitwisser des Widerstands und Attentats auf Hitler vom 20.7.44 …

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